Ameisenbären gehören zu den ungewöhnlichsten Säugetieren der Welt und sind durch ihre Anatomie perfekt an eine hochspezialisierte Lebensweise angepasst. Sie zählen zur Ordnung der Nebengelenktiere und sind eng mit Faultieren und Gürteltieren verwandt. Der bekannteste Vertreter ist der Große Ameisenbär, der mit Schwanz bis zu zwei Meter lang werden kann und ein Gewicht von etwa 25 bis 40 Kilogramm erreicht. Sein Körper ist langgestreckt, niedrig gebaut und wirkt auf den ersten Blick unbeholfen, ist jedoch funktional optimal gestaltet.

Der Kopf des Ameisenbären ist schmal, langgezogen und röhrenförmig. Auffällig ist das völlige Fehlen von Zähnen, was ihn von den meisten anderen Säugetieren unterscheidet. Stattdessen besitzt er eine extrem lange, dünne und sehr bewegliche Zunge, die bis zu sechzig Zentimeter lang werden kann. Sie ist mit klebrigem Speichel überzogen, sodass Ameisen und Termiten beim Herausstrecken sofort haften bleiben. Die Zunge kann in sehr kurzer Zeit viele Male ein- und ausgezogen werden, wodurch der Ameisenbär große Mengen an Insekten aufnehmen kann. Die Zungenmuskulatur ist tief im Brustbereich verankert, was ihre enorme Reichweite ermöglicht.
Da keine Zähne vorhanden sind, erfolgt die Zerkleinerung der Nahrung im Magen. Dieser ist besonders muskulös und enthält häufig kleine Erd- und Sandkörner, die wie Mahlsteine wirken und die Insektenkörper zerreiben. Der Darm ist vergleichsweise einfach aufgebaut, da die Nahrung hauptsächlich aus leicht verdaulichen Insekten besteht. Der Stoffwechsel des Ameisenbären ist relativ langsam, was mit seiner niedrigen Körpertemperatur von etwa 33 Grad Celsius zusammenhängt.
Die Vordergliedmaßen sind äußerst kräftig und mit großen, gebogenen Krallen ausgestattet. Diese dienen zum Aufbrechen harter Termitenhügel, zum Graben und auch zur Verteidigung gegen Feinde. Beim Gehen knickt der Ameisenbär seine Vorderpfoten ein und läuft auf den Handrücken, um die Krallen zu schonen. Die Hinterbeine sind stabil und tragen den größten Teil des Körpergewichts. Sie ermöglichen es dem Tier, sich im Notfall aufzurichten und mit den Krallen zu verteidigen.
Das Skelett weist besondere zusätzliche Gelenkverbindungen in der Wirbelsäule auf, die typisch für Nebengelenktiere sind. Diese sorgen für eine hohe Stabilität des Rumpfes, was beim Graben und Aufbrechen harter Strukturen von großer Bedeutung ist. Die Muskulatur im Schulter- und Nackenbereich ist besonders stark entwickelt und unterstützt die kraftvollen Bewegungen der Vorderbeine.
Das Fell des Ameisenbären ist dicht, lang und schützt ihn sowohl vor Insektenbissen als auch vor Witterungseinflüssen. Die Haut darunter ist relativ dick und bietet zusätzlichen Schutz vor den aggressiven Abwehrstoffen der Ameisen. Der buschige Schwanz dient nicht zum Greifen, sondern zur Balance und als Wärmeschutz, da der Ameisenbär ihn beim Schlafen über seinen Körper legt.
Sein wichtigster Sinn ist der Geruchssinn, mit dem er Ameisen- und Termitennester selbst unter der Erde aufspüren kann. Das Sehvermögen ist dagegen schwach ausgeprägt, während das Gehör eine unterstützende Rolle spielt. Insgesamt zeigt die Anatomie des Ameisenbären eine beeindruckende Spezialisierung auf eine sehr enge ökologische Nische. Jeder Körperteil ist darauf ausgelegt, das Leben als Insektenfresser effizient zu ermöglichen, wodurch der Ameisenbär zu einem der faszinierendsten Beispiele für evolutionäre Anpassung im Tierreich wird.
